Direktvermarktung von Wind-Strom
Seit EEG 2014 müssen alle Wind-Anlagen > 100 kW ihren Strom direkt vermarkten — also über einen Vermarkter an die Strombörse oder an Industrie-Abnehmer. Die EEG-Marktprämie ist der finanzielle Ausgleich zwischen Marktpreis und anzulegendem Wert. Übersicht: Pflicht, Vermarkter, Geld-Fluss.
Wie funktioniert die Direktvermarktung?
- Wind-Anlage liefert physikalisch Strom ins Netz
- Vermarkter („Direktvermarkter") nimmt den Strom in seinen Bilanzkreis
- Vermarkter verkauft Strom an Strombörse (EPEX, EEX) oder an Endabnehmer (PPA)
- Erlös = Spotmarkt-Preis × MWh, abzgl. Vermarkter-Gebühr
- Übertragungsnetzbetreiber zahlt zusätzlich die Marktprämie: anzulegender Wert minus Monatsmarktwert Wind
- Gesamtertrag für Betreiber = Marktwert + Marktprämie − Vermarkter-Gebühr
Die Vermarkter-Wahl
| Vermarkter | Profil | Gebühr (Richtwert) |
|---|---|---|
| Statkraft Deutschland | Marktführer, multi-asset | 1,2–1,8 €/MWh |
| EnBW Direktvermarktung | große Versorger-Tochter | 1,5–2,2 €/MWh |
| Axpo Deutschland | Schweizer Versorger, EE-Spezialist | 1,3–2,0 €/MWh |
| Trianel | Stadtwerke-Verbund | 1,5–2,5 €/MWh |
| Next Kraftwerke | Virtuelles Kraftwerk, Tech-Fokus | 1,8–2,5 €/MWh |
| Vasa Energy | kleine, agile Direktvermarkter | 1,4–2,0 €/MWh |
Marktprämien-Berechnung
Marktprämie [€/MWh] = anzulegender Wert − MonatsmarktwertWind
Beispiel März 2026: Zuschlagswert 72 €/MWh, Monatsmarktwert Wind März 48 €/MWh → Marktprämie 24 €/MWh. Erlös pro MWh = 48 € (Vermarktung) + 24 € (Prämie) − 1,5 € (Vermarkter) = 70,5 €/MWh für Betreiber.
Sonstige Direktvermarktung (Post-EEG)
Nach Ablauf der 20-jährigen Förderung läuft die Anlage in der „Sonstigen Direktvermarktung":
- Vermarkter verkauft Strom zum Marktpreis
- Keine Marktprämie mehr
- Erlös = Spot-Preis − Vermarkter-Gebühr
- Aktuell ca. 35–55 €/MWh (volatil) — eng für Bestandsanlagen mit hohem OPEX
- Alternative: PPA mit Industriekunde, höhere Stabilität
Bilanzkreis-Risiko
Wenn die Wind-Prognose vom realen Wind abweicht, entstehen Bilanzkreis-Abweichungs- kosten (Differenz zur prognostizierten Liefermenge). Der Vermarkter übernimmt das Risiko meist gegen Gebühr. Bei volatilen Strompreisen 2022/23 stiegen diese Risiken — manche Vermarkter haben Verträge angepasst (Volumen-Korridore).
Direktvermarktung Wind — Geldfluss, Marktprämie und Vermarkter-Vergleich
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Anfrage stellenHäufige Fragen
Was passiert bei negativen Strompreisen?
Nach EEG 2024 entfällt die Marktprämie bei mehr als 4 Stunden negativen Strompreisen am Stück. Vermarkter haben oft eigene Negativ-Strom-Klauseln. In Praxis 2023–2026 zunehmend relevant (20–80 Stunden pro Jahr).
Wie oft kann ich den Vermarkter wechseln?
Üblich: Kündigungsfrist 3–6 Monate, danach Wechsel möglich. Bei langfristigen Verträgen 24 Monate.
Was kostet ein Vermarkter-Wechsel?
Meist gebührenfrei — bei großen Portfolios verhandeln Direktvermarkter um Gebühren-Senkung. Praktisch: Jährlicher Anbietervergleich lohnt sich.