LCOE — Stromgestehungskosten für Windenergie
Levelized Cost of Energy (LCOE) ist die zentrale Wirtschaftlichkeits-Kennzahl: was kostet eine MWh erzeugter Strom über die Anlagen-Lebensdauer? Nur wenn LCOE unter dem erreichten Vermarktungspreis liegt, ist das Projekt profitabel.
Formel
LCOE = (CAPEX × CRF + OPEXfix) / Jahresertrag + OPEXvariabel
CRF (Capital Recovery Factor) = r · (1+r)n / ((1+r)n − 1)
r = Diskontsatz (WACC), n = Laufzeit in Jahren. Bei r=5 % und n=20: CRF ≈ 0,0802.
Aktuelle LCOE-Werte Onshore-Wind Deutschland (2026)
| Standort-Typ | LCOE | VLh-Bereich |
|---|---|---|
| Top-Küste | 40–55 €/MWh | 3.500+ h/a |
| Norddeutschland Binnenland | 55–70 €/MWh | 2.800–3.500 h/a |
| Mittelgebirge / Süd-Binnenland | 65–85 €/MWh | 2.300–2.800 h/a |
| Schwachwind Süd | 75–95 €/MWh | 2.000–2.500 h/a |
Vergleich mit anderen Erzeugungs-Technologien
| Technologie | LCOE 2026 DE |
|---|---|
| Onshore-Wind | 40–95 €/MWh |
| Offshore-Wind | 50–85 €/MWh |
| Solar PV (Freiland) | 40–70 €/MWh |
| Solar PV (Dach kommerziell) | 60–110 €/MWh |
| Gas-Kraftwerk (mit CO₂-Zertifikat) | 80–130 €/MWh |
| Steinkohle (mit CO₂-Zertifikat) | 100–160 €/MWh |
| Kernkraft (Neubau) | 110–200 €/MWh |
Quelle: Fraunhofer ISE „Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien" 2024/2026, ergänzt um eigene Schätzungen.
Sensitivität der LCOE
Welche Parameter wirken am stärksten auf die LCOE?
| Parameter | LCOE-Sensitivität |
|---|---|
| Volllaststunden ±10 % | ±10 % LCOE (umgekehrt) |
| CAPEX ±10 % | ±6–8 % LCOE |
| OPEX ±10 % | ±2–4 % LCOE |
| WACC 4 % vs. 6 % | ±13 % LCOE |
| Laufzeit 20 J vs. 25 J | −10 % LCOE |
LCOE-Technologievergleich und Sensitivitätsanalyse — Onshore-Wind im Kontext
LCOE-Berechnung Schritt für Schritt: ein Rechenbeispiel
Für eine 6-MW-Anlage mit folgenden Annahmen lässt sich die LCOE nachvollziehbar herleiten:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| CAPEX | 1.400 €/kW × 6.000 kW = 8,4 Mio. € |
| Volllaststunden | 3.000 h/a |
| Jahresertrag | 18 GWh |
| OPEX fix (Wartung, Pacht, Versicherung) | 15 €/MWh |
| WACC (r) | 5 % |
| Laufzeit (n) | 20 Jahre |
Der Capital Recovery Factor bei r=5 % und n=20 beträgt CRF ≈ 0,0802. Damit ergibt sich die kapitalgebundene Jahresannuität: 8,4 Mio. € × 0,0802 ≈ 673.700 €/a. Bezogen auf den Jahresertrag von 18.000 MWh entspricht das rund 37,4 €/MWh kapitalgebundene Kosten. Addiert man die OPEX-fix-Komponente von 15 €/MWh, ergibt sich eine LCOE von ca. 52,4 €/MWh — ein plausibler Wert für einen guten Binnenland-Standort in Norddeutschland, siehe Werte-Tabelle oben. Bei einem Zuschlagswert von 70 €/MWh in der EEG-Ausschreibung verbliebe eine Marge von rund 17,6 €/MWh vor Steuern und vor Fremdkapitalzins-Bedienung (der WACC ist in der Kapitalkosten-Annuität bereits eingepreist).
Repowering-LCOE: Warum meist niedriger als beim Neubau
Repowering-Projekte profitieren bei der LCOE gleich doppelt. Erstens ist die CAPEX pro kW niedriger, weil Erschließung, Wegebau und teils Netzanschluss bereits vorhanden sind — siehe Investitionskosten für die konkrete Aufschlüsselung der Einsparung von üblicherweise 50–140 €/kW. Zweitens liegen für den Standort meist mehrjährige reale Wind-Messdaten der Altanlage vor, wodurch sich die Volllaststunden-Prognose für die neue, größere Anlage mit deutlich geringerer Unsicherheit ableiten lässt als bei einem unbekannten Neubau-Standort. Eine belastbarere Ertragsprognose wiederum senkt in der Bank-Finanzierung häufig den geforderten Risikoaufschlag auf den Zins — was sich über den WACC-Hebel (±13 % LCOE bei 4 % vs. 6 % WACC, siehe Sensitivitätstabelle) direkt auf die LCOE auswirkt. In der Projektpraxis liegt die Repowering-LCOE deshalb oft 10–20 % unter einer vergleichbaren Neubau-Kalkulation am selben Standorttyp.
Grenzen der LCOE als alleinige Kennzahl
Die LCOE ist eine reine Durchschnittskosten-Betrachtung über die Lebensdauer und bildet zeitliche Preisschwankungen nicht ab. Zwei Einschränkungen sind für die Praxis wichtig:
- Kein Bezug zum tatsächlichen Erlöszeitpunkt: Windstrom fällt bevorzugt in Zeiten mit hoher Gesamteinspeisung an, in denen der Marktwert oft unterdurchschnittlich ist (Kannibalisierungseffekt). Die LCOE sagt nichts darüber aus, ob der erzielbare Markterlös die Kosten tatsächlich deckt — dafür braucht es eine separate Marktwert-Prognose.
- Keine Aussage zur Finanzierbarkeit: Eine niedrige LCOE bedeutet nicht automatisch, dass eine Bank das Projekt finanziert — Sicherheiten, Bonität des Betreibers und Vertragsstruktur der Vermarktung spielen eine unabhängige Rolle.
Für eine vollständige Wirtschaftlichkeitsprüfung ergänzt die LCOE daher typischerweise eine Discounted-Cashflow-Rechnung (DCF) mit P50/P90-Ertragsszenarien, wie sie auch Fremdkapitalgeber für die Kreditvergabe verlangen.
LCOE im Vergleich zur EEG-Marktprämie
EEG-Ausschreibungs-Höchstwert 2026: 7,35 ct/kWh = 73,50 €/MWh. Ein Projekt mit LCOE 65 €/MWh und Zuschlag bei 72 €/MWh hat eine Marge von ca. 7 €/MWh — bei 18 GWh Jahresertrag also 126.000 €/a Cashflow nach allen Kosten. Damit lässt sich das EK über 20 Jahre verzinsen.
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Anfrage stellenHäufige Fragen
Was ist der Unterschied LCOE vs. anzulegender Wert?
LCOE ist die Kosten-Sicht (was kostet die Produktion). Der anzulegende Wert ist der Bieter-spezifische EEG-Vergütungssatz (was bekommt der Betreiber). Damit Projekt wirtschaftlich: anzulegender Wert > LCOE.
Werden Subventionen in der LCOE berücksichtigt?
Klassische LCOE-Definition: keine Subventionen. Die „abgeschlossene LCOE" (= LCOE nach Förderung) ist eine variantenhafte Rechnung. Für die ehrliche Vergleichbarkeit zwischen Technologien wird die reine LCOE verwendet.
Was kostet eine Rückbau-Rücklage in der LCOE?
Typisch 0,5–1,5 €/MWh — die Rücklage wird als Annuität über die Laufzeit eingerechnet.
Warum sinkt die LCOE bei 25 statt 20 Jahren Laufzeit um rund 10 %?
Weil sich die kapitalgebundenen Kosten (CAPEX × CRF) auf mehr erzeugte MWh verteilen, während der Capital Recovery Factor bei längerer Laufzeit gleichzeitig sinkt. Voraussetzung ist, dass die Anlage technisch und genehmigungsrechtlich für die verlängerte Laufzeit ausgelegt ist — bei Repowering-Projekten mit modernen Anlagen zunehmend Standard, bei Altanlagen oft durch ein Standsicherheitsgutachten zu bestätigen.
Wie genau ist eine LCOE-Prognose vor Baubeginn realistisch?
Die größte Unsicherheit liegt in der Ertragsprognose (Volllaststunden), nicht in den Kosten. Eine seriöse Prognose stützt sich auf Windmessungen über mindestens 12 Monate am Standort oder auf validierte Referenzertragsdaten benachbarter Bestandsanlagen — reine Wind-Atlas-Werte ohne Standortmessung gelten in der Praxis als zu unsicher für eine bankfähige LCOE-Kalkulation.