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Genehmigung · Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz

LAI-Hinweise für Windenergieanlagen

Die LAI (Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Immissionsschutz) hat 2002 einheitliche Hinweise veröffentlicht, wie der periodische Schattenwurf von WEA zu beurteilen ist. Diese sind in fast allen Bundesländern als verbindliche Beurteilungsgrundlage übernommen — die sogenannte 30/30/8-Regel.

Die drei Grenzwerte (Kernstück der Hinweise)

GrenzwertWertWas bedeutet das?
Astronomisch (Worst-Case)≤ 30 h pro JahrUnter Annahme: Sonne scheint immer, Anlage rotiert immer, Wind aus ungünstiger Richtung
Tageswert≤ 30 min pro TagMaximaldauer der Schattenwirkung an einem einzelnen Tag
Real-meteorologisch≤ 8 h pro JahrTatsächliche Schattenwirkung unter Berücksichtigung von Wolken, Wind, Stillstand

In der Praxis ist meist der astronomische Wert von 30 h der maßgebliche — wenn er eingehalten ist, ist der reale Wert automatisch deutlich darunter.

Wie wird gerechnet?

  1. Geometrische Modellierung der Anlage (Rotor-Durchmesser, Nabenhöhe, Standortkoordinaten)
  2. Sonnenstand-Berechnung über das ganze Jahr (Astronomie-Algorithmus, sekundengenau)
  3. Schatten-Projektion auf die Lage des Immissionsorts (Wohngebäude, kartiert mit Schutzwürdigkeit)
  4. Pro Tag und insgesamt aufkumuliert → Vergleich mit den drei Grenzwerten
  5. Kartografische Darstellung als Iso-Linien

Schattenwurf-Abschaltmodul als Praxis-Lösung

Wenn die Berechnung zeigt, dass an einem Immissionsort die Grenzwerte überschritten werden, wird ein Schattenwurf-Abschaltmodul vorgeschrieben:

  • Astro-Uhr mit den Standort-Koordinaten und IO-Lagen vorprogrammiert
  • Helligkeitssensor erkennt, ob die Sonne tatsächlich scheint (sonst kein Schatten)
  • Optional: Wind-Richtungssensor, um nur bei kritischer Richtung abzuschalten
  • Modul schaltet die Anlage präventiv ab, sobald das Tages-/Jahresbudget am IO erreicht ist
  • Ertragsverlust typisch < 1 % p. a.

Was steht sonst noch in den LAI-Hinweisen?

  • Reflexionswirkung („Disco-Effekt"): wird durch matte Rotorblatt-Beschichtung praktisch vollständig vermieden. In den Hinweisen behandelt, in der Praxis meist nicht relevant.
  • Konzept der Immissionspunkte: wo wird gerechnet — am schutzwürdigen Raum (Schlafzimmer, Wohnzimmer), nicht an der Außenwand.
  • Vorbelastung: bei mehreren Anlagen werden Wirkungen pro IO summiert.
Wichtig: Der Schutz nach LAI gilt nur für Wohngebäude, die zum Zeitpunkt der Genehmigung bestanden oder bereits planungsrechtlich gesichert waren. Neubebauung im Wirkbereich nach Inbetriebnahme hat keinen rückwirkenden Schutzanspruch.

Revision der LAI-Hinweise — Stand 2026

Die LAI hat eine Überarbeitung der Hinweise angekündigt — Auslöser sind u. a. die EEG-Reformen 2024, die größere Anlagenhöhen üblich machen, und Klagen, die die bestehende Fassung in Detail-Aspekten herausgefordert haben. Eine neue Fassung soll voraussichtlich 2026/27 vorliegen. Bis dahin gilt die Fassung 2002 unverändert.

Schattenwurfgutachten für deinen Standort?

Wir leiten deine Anfrage an ein Ingenieurbüro weiter, das mit zertifizierter Software (WindPRO, WindFarmer) nach LAI rechnet — inkl. Konzept für das Abschaltmodul.

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Häufige Fragen

Sind die LAI-Hinweise rechtlich bindend?

Sie sind eine Verwaltungsvorschrift, also nicht im Sinne eines Gesetzes bindend, aber von den Genehmigungsbehörden konsistent angewendet und von der Rechtsprechung anerkannt. Wer davon abweicht, muss das gesondert begründen.

Wer prüft die Einhaltung der 30/30/8-Regel nach Inbetriebnahme?

Die Genehmigungsbehörde, im Beschwerdefall auch über Stichproben-Messungen am IO oder Auslese-Protokolle des Schattenwurf-Abschaltmoduls.

Was gilt in Bundesländern, die die LAI-Hinweise nicht übernommen haben?

Sehr wenige Länder weichen ab — und auch dort sind die LAI-Werte de facto Maßstab, weil keine konkurrierende Vorschrift existiert. Bayerische Praxis ist mit den anderen Ländern identisch.

Gilt die 30/30/8-Regel auch für Offshore-Anlagen?

Nein — Offshore-WEA haben keinen relevanten Schattenwurf auf Wohngebäude. Die LAI-Hinweise sind ausschließlich für Onshore-Anlagen relevant.