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Gutachten · Pflicht im BImSchG · BNatSchG § 44 / § 45b

Artenschutzgutachten für Windenergieanlagen

Das Artenschutzgutachten prüft, ob durch Bau und Betrieb der WEA besonders oder streng geschützte Arten (Vögel, Fledermäuse) erheblich gestört werden — insbesondere ob das Tötungsverbot (§ 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG) und das Störungsverbot verletzt werden. Es ist Pflicht-Bestandteil jedes BImSchG-Verfahrens.

Was steht drin?

  1. Bestandserfassung Brutvögel nach Methodenstandards (Südbeck et al.), inkl. Horst-/Revier-Kartierung
  2. Bestandserfassung Rastvögel/Gastvögel bei Lage in Zugkorridoren
  3. Erfassung Fledermäuse mit Detektoren in Gondelhöhe + bodennaher Erfassung, Saisonen März–Oktober
  4. Signifikanzprüfung: Wird das allgemeine Tötungsrisiko durch die Anlagen signifikant erhöht?
  5. FFH-Verträglichkeitsprüfung bei Lage in / nahe FFH- oder Vogelschutzgebieten
  6. Vermeidungs- und CEF-Maßnahmen (Continuous Ecological Functionality) — Abschaltzeiten, Mast-Modifikationen, Ausgleichsflächen

Die wichtigsten Konflikt-Arten

ArtStatusTypische Vermeidung
Rotmilankollisionsgefährdet, deutschlandweit prioritär1,5 km Tabu-Radius um Horst, ggf. ABS-Antikollisionssystem
Seeadlerkollisionsgefährdet3 km Tabu-Radius um Horst
Schwarzstorchstörungsempfindlich3 km Tabu-Radius um Horst, 10 km Ablenkkorridor
Wiesenweihebrutbiotop-empfindlich1 km Tabu-Radius um Brutplatz
Fledermäuse (Großer Abendsegler, Rauhautfledermaus, Zwergfledermaus)kollisionsgefährdetSaisonale Abschaltung bei niedrigem Wind/Wärme — typisch < 6 m/s + > 10 °C

Was kostet das Gutachten?

Richtwert 15.000 – 60.000 € für die Komplett-Erfassung (Vögel + Fledermäuse), bei einfachen Standorten ab 10.000 €. Die Spanne ist groß, weil sie wesentlich von der Erfassungs-Saison abhängt — eine volle Brutvogel-Saison (März bis August) und eine Fledermaus-Saison (April bis Oktober) brauchen 6–10 Begehungen je Saison.

Wichtig: Plane das Artenschutzgutachten frühzeitig ein — die Erfassung dauert mindestens eine, oft zwei volle Saisons. Das ist meist der zeitkritische Pfad im BImSchG-Verfahren.

§ 45b BNatSchG — die neue Regelung

Seit dem WaLG (2022) gibt es vereinfachte Regelungen für die artenschutzrechtliche Ausnahmeprüfung bei WEA: für 15 kollisionsgefährdete Arten sind die Tabu-Radien bundeseinheitlich definiert (Anlage 1 zu § 45b BNatSchG), bei „überragendem öffentlichem Interesse" (§ 2 EEG) sind Ausnahmen erleichtert. Damit wurden viele Verfahren entlastet.

Wer erstellt das?

Biologen-Ingenieurbüros mit Spezialisierung auf Avifauna und Chiropterologie (Fledermäuse). Wichtig: regionale Erfahrung mit dem Brutvogel-Inventar des Bundeslandes und Akkreditierung für die jeweilige Landes-Leitlinie (z. B. Helgoländer Papier, LANUV-Leitfaden NRW, Hessischer Leitfaden).

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Wir vermitteln dich an ein Fachbüro mit regionaler Erfassungs-Erfahrung. Bei sehr frühen Stadien (vor Standortwahl) lohnt sich eine Voruntersuchung — die spart oft hohe Kosten später im förmlichen Gutachten.

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Häufige Fragen

Was passiert, wenn ein Rotmilan-Horst in 1 km Entfernung gefunden wird?

Nach LAG-VSW-Helgoländer-Papier ist das ein Tabu-Bereich. § 45b BNatSchG hat die Radien teilweise neu geregelt — innerhalb der „Nahbereichs"-Zone (1.500 m) ist die Anlage in der Regel nicht genehmigungsfähig, im „zentralen Prüfbereich" (1.500–4.000 m) mit Antikollisionssystem (ABS) oder Abschaltzeit prüfungsfähig.

Was ist eine CEF-Maßnahme?

„Continuous Ecological Functionality" = vorgezogene Ausgleichsmaßnahme, die schon vor Eingriff wirksam sein muss, um das Tötungs- und Störungsverbot zu vermeiden. Beispiele: Schaffung neuer Brutreviere fernab der WEA, Habitat-Aufwertung, Anbringung von Nisthilfen.

Fledermaus-Abschaltzeit — wie teuer ist das?

Typische Abschaltung in den kritischen Sommernächten (Mai–Oktober, < 6 m/s Wind, > 10 °C, Sonnenuntergang bis Mitternacht) kostet 1–3 % Jahresertrag. Bei Repowering oft hinnehmbar, bei knapper Wirtschaftlichkeits-Schwelle relevant.

Was ist mit dem Repowering — gibt es Vorteile?

Ja — beim Repowering wird oft ein geringerer Eingriff argumentiert, weil die Standorte bereits anthropogen vorbelastet sind. Außerdem haben moderne Anlagen oft höhere Nabenhöhe, was die Konflikte mit niedrig fliegenden Arten (Rotmilan) etwas reduziert.