Volllaststunden (VLh) bei Windenergieanlagen
Volllaststunden sind die zentrale Ertrags-Kennzahl: rechnerisch die Stunden pro Jahr, in denen die Anlage mit Nennleistung laufen müsste, um den realen Jahresertrag zu erreichen. Sie verdichten Windhöffigkeit, Anlagentyp und Verfügbarkeit zu einer Zahl.
Definition
VLh = Jahresertrag [MWh] / Nennleistung [MW]
Beispiel: Anlage mit 6 MW und 18.000 MWh Jahresertrag → 3.000 VLh/a. Das Jahr hat 8.760 h, also läuft die Anlage rechnerisch zu (3.000/8.760) = 34 % der Zeit auf Volllast. Der Kapazitätsfaktor ist also 34 %.
Typische VLh in Deutschland
| Standorttyp | VLh/a | Bemerkung |
|---|---|---|
| Top-Küste (SH, MV-Küste) | 3.500–4.200 | Offshore-nahe Bedingungen |
| Norddeutschland Binnenland | 2.800–3.500 | Standardwerte für moderne 6-MW-Anlagen |
| Norddeutsche Mittelgebirge | 2.500–3.000 | NRW, Hessen Höhenkamm |
| Süddeutsches Binnenland | 2.100–2.700 | Schwachwind-Anlage Standard |
| Süddeutsche Mittelgebirge | 2.000–2.500 | BW, BY exponierte Standorte |
| Süddeutsche Flachland | 1.700–2.100 | kritische Wirtschaftlichkeit |
| Offshore Nord-/Ostsee | 4.000–4.800 | typisch deutlich höher als Onshore |
Was beeinflusst die VLh?
- Mittlere Windgeschwindigkeit in Nabenhöhe: Hauptfaktor (~70 % der Variation)
- Anlagen-Spezifische-Leistung (W/m²): niedrigere W/m² → mehr VLh, weniger absoluter Ertrag
- Verfügbarkeit (technisch): 97 % Standard, 95 %–99 % möglich
- Wake-Verluste im Park: 5–10 % Reduktion in dichten Konfigurationen
- Schallreduzierter Nachtbetrieb: −1 bis −4 % p. a.
- Fledermaus-/Schattenwurf-Abschaltung: −1 bis −3 % p. a.
- Eisansatz-Stillstand: −1 bis −5 % p. a. (regionsabhängig)
- Netzbedingte Abschaltung (negative Strompreise, Engpassmanagement): variabel, 0–3 %
VLh und Wirtschaftlichkeit
| VLh | LCOE typisch | Wirtschaftlichkeit |
|---|---|---|
| 4.000+ | 40–55 €/MWh | top-wirtschaftlich, PPA-fähig |
| 3.000–4.000 | 55–70 €/MWh | EEG Standard |
| 2.500–3.000 | 65–80 €/MWh | EEG-Ausschreibung wirtschaftlich |
| 2.000–2.500 | 75–95 €/MWh | Schwachwind-Anlage, EEG-Süd-Bonus nötig |
| < 2.000 | > 95 €/MWh | kritisch — nur Bürgerwind-Modell oder Eigenversorgung |
Volllaststunden nach Region — VLh-Wirtschaftlichkeit und Repowering-Sprung
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Anfrage stellenHäufige Fragen
Was sind P50, P75, P90?
Wahrscheinlichkeits-Quantile: P50 = die mittlere Ertragsprognose (50 % wahrscheinlich erreicht). P75 = mit 75 % Wahrscheinlichkeit erreicht (etwas niedriger). P90 = sehr konservativ (90 % Wahrscheinlichkeit), wird für Bankfinanzierung verwendet.
Werden VLh über die Anlagen-Lebensdauer konstant bleiben?
Nein — typisch leichte Performance-Degradation 0,3–0,8 % p. a. durch Verschleiß und Effizienz- Abbau. Über 20 Jahre kumuliert das auf 6–15 % Ertragsverlust. In modernen Ertragsmodellen berücksichtigt.
Wie wirken sich Wake-Verluste konkret aus?
Eine Anlage in der zweiten Reihe eines 5×5-Parks verliert typisch 5–15 % Ertrag durch Vorhanlagen-Wake. Layout-Optimierung kann das auf 3–8 % senken — siehe Turbulenz-Indikator.