Windhöffigkeit am WEA-Standort
Die Windhöffigkeit ist die Hauptdeterminante des Anlagenertrags. Die Energie im Wind wächst mit der dritten Potenz der Geschwindigkeit — 10 % mehr Wind bedeuten ca. 33 % mehr Energie. Daher ist die genaue Bestimmung der Windressource am Standort der wichtigste Planungs-Schritt.
Datenquellen — vom Groben zum Genauen
| Quelle | Auflösung | Verwendung |
|---|---|---|
| DWD Bundes-Windatlas | 1 km × 1 km | erste Standort-Indikation, kostenlos |
| MERRA-2 (NASA) | 0,5° × 0,67° | Langzeit-Referenz für Hochrechnung |
| ERA5 (Copernicus) | 0,25° × 0,25° | Standard für Langzeit-Referenzdaten |
| Mesoskalen-Modell (WRF/WAsP) | 50–250 m | Standort-Detail-Modellierung |
| Eigene Messung (Mast/LIDAR) | punktgenau | Bank-Tauglichkeit, Hersteller-Garantie |
Höhenextrapolation nach Hellmann
Wenn die Messung in 100 m Höhe erfolgt, aber die Nabenhöhe 150 m ist, muss extrapoliert werden:
v(h₂) = v(h₁) · (h₂ / h₁)α
α (Hellmann-Exponent) abhängig von Geländerauigkeit:
- Wasserfläche, glatte See: α ≈ 0,10
- Offenes Flachland (Stoppelfeld, Heide): α ≈ 0,16
- Strukturiertes Land (Felder, Hecken): α ≈ 0,20
- Dorfrand, Wald-Lichtungen: α ≈ 0,28
- Wald geschlossen, Stadtgebiet: α ≈ 0,40
Beispiel: 7,5 m/s in 100 m, Hellmann α=0,2 → 7,5 × (150/100)0,2 = 8,15 m/s in 150 m.
Weibull-Verteilung
Die Häufigkeitsverteilung der Windgeschwindigkeit am Standort folgt typisch der Weibull-Verteilung mit zwei Parametern: A (Skalenparameter, ähnlich Mittelwert) und k (Formfaktor). k beschreibt die Variabilität:
- k = 1,8 — variabler Wind (Mittelgebirge, Wald)
- k = 2,0 — Standard-Onshore
- k = 2,2–2,5 — gleichmäßiger Wind (Küste, Offshore)
Eigene Windmessung — Mast oder LIDAR
| Windmast (60–140 m) | LIDAR-Bodengerät | |
|---|---|---|
| Höhenbereich | bis Mast-Spitze | 30–250+ m (gleichzeitig) |
| Genauigkeit | ± 1 % | ± 2–3 % (kalibriert ± 1 %) |
| Kosten | 80.000–200.000 € | 120.000–250.000 € Anschaffung, 30.000–80.000 € Miete/Jahr |
| Aufbau-Zeit | 4–8 Wochen | 1 Tag |
| Genehmigung | Bauamt für Höhen > 30 m | keine |
| Bank-Tauglichkeit | MEASNET-zertifiziert OK | seit 2020 als IEC 61400-12-1-Ed. 3 zertifiziert |
Langzeit-Korrektur
Eine Messreihe von 12 Monaten reicht nicht für die 20-jährige Ertragsprognose. Die Messdaten werden gegen MERRA-2 oder ERA5-Langzeitdaten (40+ Jahre) hochgerechnet:
- Korrelation zwischen Messdaten am Standort und Langzeitreihe am nächsten Knoten ermitteln
- Bei guter Korrelation (r > 0,8): Langzeit-Mittel über die Regression auf den Standort übertragen
- P50, P75, P90-Ertragsprognose für Bank ableiten
Windhöffigkeit — Datenquellen, Höhenextrapolation und Messtechnik-Vergleich
Wind-Gutachten für deinen Standort?
Wir vermitteln dich an MEASNET-zertifizierte Wind-Gutachter — von der Schreibtisch-Studie bis zum 12-Monats-LIDAR-Programm inkl. Langzeit-Hochrechnung.
Anfrage stellenHäufige Fragen
Reicht der DWD-Windatlas für die Investitionsentscheidung?
Für die Schreibtisch-Vorprüfung ja. Für die Investitionsentscheidung NEIN — Banken und Investoren fordern eine eigene Messung oder mindestens eine zertifizierte Schreibtisch-Studie mit Langzeit-Hochrechnung.
Wie lange muss die Eigenmessung dauern?
Mindestens 12 Monate (Standard), bei Mittelgebirge oder komplexem Gelände 24 Monate. Kürzere Messungen sind möglich, aber die Unsicherheit der Langzeit-Hochrechnung steigt.
Was kostet eine zertifizierte Windstudie?
Schreibtisch-Studie ohne eigene Messung 8.000–20.000 €. Mit LIDAR-Messung über 12 Monate 80.000–150.000 €. Mit Windmast über 24 Monate 200.000–400.000 €.