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Planung · Anlagenkonzept · Süd-Standorte

Schwachwind-Anlagen

Schwachwind-Anlagen sind die Antwort auf den Süden-/Binnenland-Standort: großer Rotor bei relativ kleinem Generator. Sie erreichen ihre Nennleistung schon bei niedrigen Windgeschwindigkeiten, liefern dadurch mehr Volllaststunden — bei geringerer absoluter Spitzenleistung. Das passt zu Standorten mit 5,5–6,5 m/s mittlerer Windgeschwindigkeit.

Das Konzept — spezifische Leistung W/m²

Die spezifische Leistung ist das Verhältnis aus Nennleistung und Rotorkreisfläche:

spezifische Leistung  =  Nennleistung [W] / Rotorfläche [m²]

Klassespez. Leistungtypischer EinsatzVLh-Erwartung
High-Wind (Klasse I)≥ 400 W/m²Küste, Offshore3.500+ h/a
Mittel (Klasse II)300–400 W/m²Norddeutschland2.500–3.500 h/a
Schwachwind (Klasse III)200–300 W/m²Süd-/Binnenland2.200–3.000 h/a
Extrem-Schwachwind< 200 W/m²Süddeutschland-Süd2.500–3.200 h/a

Aktuelle Schwachwind-Anlagen 2026

Hersteller / TypLeistungRotorspez. LeistungNabenhöhe
Vestas V162-5.05,0 MW162 m243 W/m²119–166 m
Vestas V172-5.05,0 MW172 m215 W/m²175 m
Enercon E160 EP3 4.64,6 MW160 m229 W/m²120–166 m
Enercon E175 EP5 6.06,0 MW175 m249 W/m²175 m
Nordex N163/5.X5,7 MW163 m273 W/m²118–164 m
Nordex N175/6.X6,8 MW175 m283 W/m²179 m
Siemens Gamesa SG170-5.X5,X MW170 m~245 W/m²115–165 m

Trade-off Schwachwind vs. High-Wind

Schwachwind-AnlageHigh-Wind-Anlage
Erreicht Nennleistung bei9–10 m/s12–13 m/s
Volllaststundenhöher (bei gleichem Wind)niedriger
Absolute Jahresenergieniedrigerhöher
Mast-Höhe ofthöher (164–175 m)niedriger (120–140 m)
Investitionskostenhöher pro MWniedriger pro MW
Optimaler Standortv < 7 m/sv > 8 m/s

Wirtschaftlichkeits-Beispiel Süd-Standort

Standort mit v=6,2 m/s in 150 m Nabenhöhe (typisch Süddeutschland-Höhenrücken):

High-Wind 5,5 MW (320 W/m²)Schwachwind 5,0 MW (243 W/m²)
VLh erwartet2.000 h/a2.700 h/a
Jahresertrag11,0 GWh13,5 GWh
Investition (Faustregel)1.250 €/kW × 5.500 = 6,9 Mio. €1.350 €/kW × 5.000 = 6,8 Mio. €
LCOE78 €/MWh65 €/MWh
Süd-Bonus EEG 2024: Anlagen in BW/BY/HE/RP/SL erhalten zusätzlich ca. +0,30 ct/kWh auf den anzulegenden Wert. Plus die Standortqualitätsfaktor- Korrektur bei Standortqualität < 70 %. Damit werden auch deutlich schwächere Standorte genehmigungs- und finanzierungsfähig.
Schwachwind-Anlagen: spezifische Leistung 200–300 W/m². Hersteller 2026: Vestas V172-5.0 (215 W/m²), Enercon E175 EP5 (249), Nordex N163/5.X (273), N175/6.X (283). Wirtschaftlichkeits-Vergleich Süd-Standort 6,2 m/s: Schwachwind 5 MW LCOE 65 Euro/MWh vs. High-Wind 5,5 MW 78 Euro/MWh (−17%). Süd-Bonus +0,30 ct/kWh

Schwachwind-Anlagen — Herstellervergleich, Trade-off und Wirtschaftlichkeit

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Warum große Rotoren bei Schwachwind mehr bringen

Die im Wind enthaltene Leistung wächst mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit, aber nur mit dem Quadrat des Rotordurchmessers. An windschwachen Standorten (v < 7 m/s) lässt sich die fehlende Windenergie über eine größere Rotorfläche teilweise kompensieren — ein 172-m-Rotor fängt gegenüber einem 140-m-Rotor rund 51 % mehr Fläche ein. Der Generator bleibt dabei bewusst klein dimensioniert, weil die Nennleistung ohnehin selten erreicht wird. Das Resultat: mehr Betriebsstunden im Teillastbereich, in dem die Anlage tatsächlich läuft, statt seltener Volllaststunden, die am Schwachwind-Standort kaum vorkommen.

Blattgeometrie und Regelungstechnik

Schwachwind-Rotoren sind aerodynamisch anders ausgelegt als High-Wind-Blätter: schlankere Profile mit größerer relativer Dicke im Blattinnenbereich für Steifigkeit bei geringerem Gewicht, sowie eine auf niedrige Anströmgeschwindigkeiten optimierte Pitch-Regelung. Der Auslegungspunkt liegt typischerweise bei 8–9 m/s statt 11–12 m/s bei High-Wind-Typen. Das bedeutet auch: Die Blattspitzengeschwindigkeit wird bei gleicher Drehzahl größer, weshalb moderne Schwachwind-Rotoren häufig mit reduzierter Nenndrehzahl und dafür größerem Durchmesser arbeiten, um die nach TA Lärm zulässigen Schallleistungspegel am nächstgelegenen Immissionsort einzuhalten (siehe TA-Lärm-Verfahren).

Netzverträglichkeit bei geringerer Spitzenleistung

Ein praktischer Nebeneffekt der kleineren Generatorauslegung: Die Anschlussleistung pro Anlage ist niedriger, wodurch der Netzverknüpfungspunkt seltener zum limitierenden Faktor wird. Bei einem Windpark mit mehreren Schwachwind-Anlagen sinkt die gleichzeitige Einspeisespitze, was insbesondere bei knappen Trafokapazitäten im ländlichen Mittelspannungsnetz (20 kV) relevant ist — ein Aspekt, der in der Netzanschlussanfrage beim zuständigen Verteilnetzbetreiber frühzeitig zu klären ist.

Herstellergarantien und Leistungskurven-Prüfung

Bei Schwachwind-Projekten lohnt sich ein genauer Blick auf die vertraglich zugesicherte Leistungskurve (Power Curve) des Herstellers, weil hier der wirtschaftliche Hebel besonders groß ist: Eine Abweichung von 3–5 % im Teillastbereich zwischen 6 und 9 m/s wirkt sich bei Schwachwind-Standorten stärker auf den Jahresertrag aus als bei High-Wind-Standorten, weil genau dieser Geschwindigkeitsbereich den Großteil der Betriebsstunden ausmacht. Üblich ist eine Leistungskurven-Garantie mit Messung nach IEC 61400-12-1 innerhalb der ersten 1–2 Betriebsjahre; bei Unterschreitung greifen vertragliche Pönalen oder Nachbesserungspflichten des Herstellers.

Turmkonzept: Stahlrohr, Hybrid oder Beton

Die für Schwachwind nötigen Nabenhöhen von 150–175 m stoßen bei reinen Stahlrohrtürmen an Transport- und Stabilitätsgrenzen. In der Praxis kommen daher zunehmend Hybridtürme (Betonschaft im unteren Bereich, Stahlrohr-Adapter oben) oder vollständige Spannbeton-/Fertigteil-Türme zum Einsatz. Vorteile: geringere Transportbreiten (Betonsegmente lassen sich in schmaleren Teilstücken anliefern als große Stahlrohr-Schüsse), höhere Eigenfrequenz-Reserve und oft günstigere Kosten pro Meter Zusatzhöhe oberhalb von 140 m. Nachteil: höhere Komplexität bei der Baustellenlogistik und ein größerer Kranstellflächen-Bedarf während der Montage.

Standortauswahl: Wann lohnt sich der Umweg über Schwachwind?

Die Entscheidung für ein Schwachwind-Konzept sollte nicht pauschal, sondern anhand der konkreten Windhöffigkeit-Messung am Standort getroffen werden. Als grobe Richtschnur aus der Planungspraxis: Bei einer mittleren Windgeschwindigkeit unter 6,5 m/s in Nabenhöhe überwiegt der Ertragsvorteil des großen Rotors üblicherweise die höheren spezifischen Investitionskosten. Oberhalb von 7,5 m/s kehrt sich das Bild häufig um, weil die High-Wind-Anlage dann ausreichend Volllaststunden erreicht und ihre niedrigeren Kosten pro installiertem MW den Ausschlag geben. Im Übergangsbereich 6,5–7,5 m/s empfiehlt sich eine anlagenspezifische Ertragsprognose beider Konzeptvarianten, bevor die Investitionsentscheidung fällt.

Häufige Fragen

Lohnt sich Schwachwind auch in Norddeutschland?

Selten — Norddeutschland-Standorte erreichen mit High-Wind-Anlagen höhere absolute Erträge. Schwachwind ist nur an wirklich windschwachen Standorten (v < 7 m/s) wirtschaftlich überlegen.

Was ist mit der Turbulenz im Wald?

Hohe Nabenhöhen (164–175 m) heben den Rotor weit über die Vegetations-Turbulenz hinaus. Schwachwind-Anlagen mit 175 m Nabe ergeben im Wald-Standort deutlich glattere Wind-Bedingungen als 100-m-Mast-Anlagen.

Können Schwachwind-Anlagen auch im Repowering eingesetzt werden?

Ja — sehr häufig sogar. Beim Repowering in Süddeutschland werden überwiegend Schwachwind- Anlagen gewählt, weil sie die Wirtschaftlichkeit bei lokal mäßiger Windhöffigkeit am besten realisieren.