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Repowering · Wirtschaftlichkeit · DCF-Beispiel

Wirtschaftlichkeit eines Repowering-Projekts

Wann lohnt sich Repowering wirtschaftlich? Hier eine konkrete DCF-Rechnung für einen typischen Norddeutschland-Standort, plus Sensitivitäts-Analyse und Stress-Tests für die kritischen Parameter.

Beispiel-Projekt

ParameterAlt-KonfigurationNeu-Konfiguration
Anzahl Anlagen8 × 1,5 MW3 × 6,0 MW
Gesamtleistung12,0 MW18,0 MW
Volllaststunden1.900 h/a3.000 h/a
Jahresertrag22,8 GWh/a54,0 GWh/a
Spezifische Investition1.350 €/kW
Gesamt-Investition24,3 Mio. €
VermarktungPPA / SpotEEG 7,2 ct/kWh
Jahresumsatz1,3 Mio. €3,9 Mio. €
OPEX0,9 Mio. €/a1,1 Mio. €/a
Cashflow vor Steuern0,4 Mio. €/a2,8 Mio. €/a

Woraus die Investition besteht (CAPEX)

Die spezifische Investition von rund 1.350 €/kW im Beispiel ist ein Branchen-Richtwert; real bewegt sich Onshore-Repowering meist im Bereich 1.000–1.500 €/kW. Grobe Aufteilung der Gesamtkosten:

KostenblockAnteil (Richtwert)
Windenergieanlage (Turm, Gondel, Rotor)ca. 65–75 %
Fundament + Errichtungca. 8–12 %
Netzanschluss + Verkabelungca. 6–10 %
Erschließung (Wege, Kranstellflächen)ca. 3–6 %
Planung, Gutachten, Genehmigungca. 3–6 %
Rückbau Altanlage (netto)ca. 2–5 %

Der Vorteil beim Repowering: Erschließung und Netzanschlusspunkt sind teilweise vorhanden, was die Nebenkosten gegenüber einem Greenfield-Projekt senkt. Die Rückbaukosten der Altanlage fließen dafür zusätzlich ein — Details unter Rückbau.

Laufende Kosten (OPEX)

Die jährlichen Betriebskosten liegen bei modernen Anlagen erfahrungsgemäß in der Größenordnung von 1,5–3 ct/kWh. Wesentliche Posten:

  • Wartung und Instandhaltung: Vollwartungsvertrag mit dem Hersteller, meist mit Verfügbarkeitsgarantie — der größte Einzelposten.
  • Pacht: Flächenpacht an Grundstückseigentümer, oft ertragsabhängig.
  • Technische und kaufmännische Betriebsführung: Überwachung, Abrechnung, Behördenkommunikation.
  • Versicherung, Direktvermarktung, Rücklagen: Maschinenbruch- und Haftpflichtversicherung, Vermarktungsentgelt, Rückstellung für den späteren Rückbau.

DCF-Rechnung (vereinfacht)

JahrCashflowDiskontiert (WACC 5 %)
0 (Investition)−24,3 Mio. €−24,3 Mio. €
1–20 (Cashflow)+2,8 Mio. €/aΣ 34,9 Mio. €
20 (Restwert + Rückbau-Bürgschaft)+0,3 Mio. €+0,1 Mio. €
Net Present Value (NPV)+10,7 Mio. €
Interner Zinsfuß (IRR)9,1 %
LCOE65 €/MWh
Payback-Zeit10–11 Jahre

Sensitivitäts-Analyse

Wie reagiert der NPV auf Änderungen der Schlüssel-Parameter (±10 %)?

Parameter−10 %Basis+10 %
Volllaststunden+4,2 Mio. € NPV+10,7 Mio. €+17,2 Mio. €
Strompreis / EEG-Wert+5,3 Mio. €+10,7 Mio. €+16,1 Mio. €
Investitionskosten+13,1 Mio. €+10,7 Mio. €+8,3 Mio. €
OPEX+11,9 Mio. €+10,7 Mio. €+9,5 Mio. €
WACC (3 % / 5 % / 7 %)+18,4 Mio. €+10,7 Mio. €+4,8 Mio. €
Sensitivitätsanalyse Repowering: Tornado-Diagramm — Volllaststunden und Strompreis haben den größten NPV-Einfluss (±10 % = ±6,5 Mio. €). Stress-Tests: Low-Wind IRR 7,0 %, Worst Case IRR 5,2 % — noch positiv

Sensitivitäts- und Stress-Test-Analyse — Volllaststunden und Strompreis dominieren die Rendite

Schlüssel-Risiken: Volllaststunden und Strompreis (zusammen ca. 70 % der Renditeschwankung). Investitionskosten und OPEX sind besser kontrollierbar. WACC ist von Zinsumfeld + Finanzierungsstruktur abhängig.

Stress-Tests

Wie reagiert das Projekt auf extreme Szenarien?

  • Low-Wind-Szenario (VLh −20 %): NPV +5,0 Mio. €, IRR 7,0 % — noch profitabel
  • Marktpreis-Verfall (Strompreis −20 % nach EEG-Ende): NPV +4,8 Mio. €, IRR 6,8 % — geht gerade noch
  • CAPEX-Schock (+20 %): NPV +5,1 Mio. €, IRR 6,9 %
  • Worst Case (alle drei zusammen): NPV +1,3 Mio. €, IRR 5,2 % — knapp im positiven Bereich

Finanzierungsstruktur

Typische Repowering-Finanzierung 2026:

  • Eigenkapital 20–30 %: 5–7 Mio. €, Renditeerwartung 8–12 %
  • Fremdkapital 70–80 %: 17–19 Mio. € Bankkredit, Zins 4–5 %, Laufzeit 15 Jahre
  • Tilgungsstruktur: häufig endfällig in den ersten 5 Jahren mit Bullet-Payment, dann annuitätisch
  • Sicherheiten: Anlagen-Sicherungsübereignung + Cashflow-Abtretung

Warum genau diese Standortdaten den Ausschlag geben

Die vier Rechengrößen in der Sensitivitätsanalyse wirken nicht gleichrangig auf die Rendite. Volllaststunden und Strompreis bzw. anzulegender Wert bestimmen zusammen die Einnahmenseite und reagieren zudem auf Faktoren, die der Betreiber kaum beeinflussen kann — Windjahr-Schwankungen, Marktpreisentwicklung. Investitionskosten und OPEX sind dagegen in der Angebotsphase weitgehend verhandel- und damit kontrollierbar. Für die Standortauswahl folgt daraus eine klare Priorität: Eine belastbare, mehrjährige Windmessung senkt das Ertragsrisiko stärker als jede Verhandlung über den Anlagenpreis — ein Punkt, der in frühen Projektphasen oft unterschätzt wird, weil CAPEX-Zahlen greifbarer wirken als eine Wahrscheinlichkeitsverteilung künftiger Windjahre.

Wann sich Repowering wirtschaftlich klar lohnt — und wann nicht

Aus der Beispielrechnung lässt sich eine grobe Faustregel ableiten, die für die erste Einschätzung eines Standorts hilfreich ist, eine belastbare Rechnung aber nicht ersetzt. Klar positiv fällt die Wirtschaftlichkeit aus, wenn mehrere Faktoren zusammenkommen: eine überdurchschnittliche Windhöffigkeit, ein Anlagenbestand mit deutlich kleinerer Nennleistung als heute verfügbar (großer Repowering-Hebel), bereits vorhandene, ausbaufähige Netzanschlusskapazität und ein Standort ohne absehbare Höhenbeschränkung. Kritisch wird es, wenn diese Faktoren fehlen — etwa bei kleinem Repowering-Hebel (moderne Altanlagen mit bereits hoher Nennleistung), knapper Netzanschlusskapazität, die einen teuren Ausbau erfordert, oder unsicherer Genehmigungslage durch Schutzgebietsnähe. In solchen Grenzfällen entscheidet oft die konkrete Ausschreibungssituation der Bundesnetzagentur über die tatsächliche Rentabilität.

Bürgerwind-Beteiligung — Effekt auf IRR

Wenn Bürgerwind-Beteiligung Pflicht ist (MV, BB, NRW): typisch 20 % EK-Anteil an Anwohner/Gemeinde zu Sonderkonditionen. Effekt:

  • EK-Rendite leicht reduziert (Bürger-EK wird mit fester Rendite bedient)
  • IRR sinkt um ca. 0,5–1 Prozentpunkt
  • Akzeptanz verbessert sich messbar (geringere Klage-Risiken)
  • Bank-Finanzierung oft erleichtert

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Häufige Fragen

Welcher IRR ist für institutionelle Investoren attraktiv?

Aktuell 2026: 7–10 % nach Steuern. Unter 7 % zunehmend schwer zu finanzieren, über 10 % bei Top-Standorten oder hoher Risiko-Toleranz. Pension-Funds zielen auf 6–8 %, Private Equity 10–15 %.

Wie wirken sich die Lieferzeit-Risiken auf die Rendite aus?

Verzögerte Inbetriebnahme kostet Strom-Erlöse + Strafzahlung 10 €/kW bei EEG-Frist-Überschreitung. Eine 6-Monats-Verzögerung kann den IRR um 0,5–1,5 Prozentpunkte reduzieren.

Was passiert nach 20 Jahren?

EEG-Förderung endet, Strom wird zum Spotmarkt-Preis oder neuen PPA vermarktet. Im Standardszenario eingerechnet sind 8–10 Jahre Post-EEG-Betrieb zu ca. 50 €/MWh. Optimistisch langfristig wegen steigender Strompreise — pessimistisch wegen erneuerbarer Überangebote.

Was bedeutet LCOE und warum liegt er bei 60–80 €/MWh?

Die LCOE (Levelized Cost of Electricity) sind die über die Lebensdauer gemittelten Stromgestehungskosten: alle Kosten (CAPEX, OPEX, Rückbau) diskontiert, geteilt durch die diskontierte Strommenge. Sie machen Projekte mit unterschiedlicher Größe und Laufzeit vergleichbar. Der Wert reagiert vor allem auf Volllaststunden und Kapitalkosten — ein windstärkerer Standort oder ein niedrigerer WACC senkt die LCOE spürbar. Eigene Rechnung über den LCOE-Rechner.

Kann ich mit dem Repowering-Ertragsrechner schon eine Indikation bekommen?

Ja — der Repowering-Ertragsrechner gibt die Jahresertrags-Differenz und Mehr-Einnahmen. Für die volle DCF-Rechnung brauchst du zusätzlich den LCOE-Rechner und eine Sensitivitäts-Tabelle wie oben.