RepoweringHub
Repowering · Rückbau · § 35 Abs. 5 BauGB

Rückbau von Windenergieanlagen

Beim Repowering wird die Altanlage demontiert und der Standort renaturiert — das ist gesetzliche Pflicht nach § 35 BauGB. Hier alles zum Ablauf, den Kosten, dem Recycling-Stand und der Rückbau-Bürgschaft.

Was sagt das Gesetz?

§ 35 Abs. 5 BauGB: Der Betreiber muss bei Nutzungsende die Anlage vollständig zurückbauen und den Standort renaturieren. Diese Pflicht ist Bestandteil der Genehmigung und wird durch eine Sicherheits-Bürgschaft gesichert.

Umfang des Rückbaus

  1. Anlagen-Demontage: Rotor, Maschinenhaus, Turm-Stücke per Großkran
  2. Fundament-Rückbau: typisch bis 1,5 m unter Geländeoberkante (manche Bundesländer fordern Vollausbau)
  3. Kranstellfläche entfernen: Schotter abtragen, Boden lockern, einsähen
  4. Zuwegung zurückbauen: nur falls neu angelegt; bestehende Wege bleiben
  5. Trafostation + Kabel: rückgebaut oder durch Repowering-Anlage übernommen
  6. Renaturierung: Boden, Vegetation wiederherstellen, ggf. Folge-Nutzung Landwirtschaft

Kosten des Rückbaus

PositionKosten pro Anlage
Demontage (Großkran + Logistik)40.000–80.000 €
Recycling / Entsorgung30.000–80.000 € (Rotorblätter als Hauptkostentreiber)
Fundament-Rückbau (Teilausbau)20.000–40.000 €
Fundament-Vollausbau (selten gefordert)60.000–120.000 € zusätzlich
Kranstellfläche + Renaturierung10.000–30.000 €
Trafostation + Kabel10.000–30.000 € (falls nicht weiternutzbar)
Summe pro Anlage110.000–250.000 €
Recyclingerlös (Stahl, Kupfer)−20.000 bis −60.000 € (Gegenwert)
Nettokosten50.000–200.000 €

Rückbau-Bürgschaft

Vor Inbetriebnahme der WEA muss der Betreiber eine Sicherheitsleistung hinterlegen — typisch:

  • Bankbürgschaft oder Bareinlage bei einer Bank/Versicherung
  • Höhe: 6,5–8 % der Investitionskosten der WEA, oder pauschal 100.000–200.000 € je Anlage
  • Verzinsung: bleibt beim Betreiber, sodass die Inflation den Rückbau-Wert erhöht
  • Bei vorzeitiger Schließung der Anlage: Bürgschaft wird teilweise/komplett aufgelöst

Recycling-Quote moderner Anlagen

KomponenteAnteil am GesamtgewichtRecycling-Quote
Stahl (Turm, Hauptbestandteile)ca. 65 %> 95 %
Beton (Fundament)ca. 20 %> 90 % als Schotter
Kupfer, Aluminium (Generator, Kabel)ca. 4 %> 95 %
Eisenmetall (Maschinenhaus)ca. 5 %> 95 %
Polymere, Schmiermittel, Elektronikca. 2 %thermische Verwertung
Glasfaserverstärkter Kunststoff (Rotorblätter)ca. 4 %Knackpunkt

Rotorblätter — das ungelöste Problem

Rotorblätter aus glasfaser- oder kohlefaserverstärktem Kunststoff sind aktuell der größte technische Knackpunkt. Die Recycling-Optionen:

  • Zementwerk-Verwertung: Verbrennung als Brennstoffersatz + GFK-Asche als Zement-Zuschlag (Standard-Lösung 2026)
  • Mechanisches Shreddern: zu Granulat verarbeiten, Verwendung in Beton oder Verbundwerkstoffen — kleinerer Markt
  • Pyrolyse: thermische Zersetzung, Fasern teilweise wiedergewinnbar — im Aufbau, hohe Kosten
  • Solvolyse: chemische Trennung, Faser- und Matrix-Rückgewinnung — Pilotanlagen

Kosten Rotorblatt-Verwertung: aktuell 1.000–2.000 € pro Tonne (vs. 200–400 € bei Stahl-Recycling).

Wichtig: Die EU hat 2024 ein Deponierungsverbot für Rotorblätter angekündigt (Umsetzung in DE schrittweise bis 2030). Damit müssen alle Rotorblätter thermisch oder mechanisch verwertet werden — entsprechende Markt-Kapazitäten wachsen aktuell schnell.

Folge-Nutzung des Standorts

  • Beim Repowering: Standort wird für die neue Anlage genutzt — Bauarbeiten kombinierbar mit Rückbau
  • Bei vollständigem Rückbau ohne Repowering: meist Rückführung in landwirtschaftliche Nutzung
  • Photovoltaik-Folge-Nutzung: zunehmend interessant, da Standort bereits anthropogen vorbelastet — Hybrid-Lösung Wind+PV emerging

Rückbau-Vergabe für deinen Altpark?

Wir vermitteln dich an spezialisierte Rückbau-Unternehmen (Demontage + Recycling) — oft im Paket mit dem Repowering-Anlagen-Lieferanten.

Anfrage stellen

Häufige Fragen

Wer trägt die Rückbau-Kosten?

Der Betreiber der Anlage. Bei Repowering werden die Kosten oft in die Investitionsrechnung der neuen Anlage einkalkuliert.

Was passiert mit der Rückbau-Bürgschaft beim Repowering?

Sie wird verrechnet: Bürgschaft der Altanlage wird beim erfolgten Rückbau aufgelöst, gleichzeitig wird die neue Bürgschaft für die neue Anlage hinterlegt.

Wieso ist Voll-Ausbau des Fundaments umstritten?

Vollausbau (50–120 t Beton bis Grundwasser) hat hohe Umwelt-Kosten (CO₂, LKW-Verkehr, Bodendisruption). Teilausbau bis 1,5 m unter GOK ist Standard und vermeidet die meisten Beeinträchtigungen — Vegetation wächst darüber.

Wie ist die Lieferzeit für Rückbau-Unternehmen aktuell?

Spezialisierte Rückbau-Firmen sind ausgelastet — 6–12 Monate Vorlauf üblich. Frühzeitige Beauftragung als Teil des Repowering-Projektplans.