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Repowering · Strategie-Entscheidung · Post-EEG-Phase

Repowering vs. Weiterbetrieb

Nach 20 Jahren endet die EEG-Förderung. Die Frage: weiterbetreiben (oft 5–8 Jahre zusätzlich technisch möglich), oder repowern (neue Anlagen, neue 20-Jahre-Förderung)? Die Entscheidung hängt von wenigen, klaren Kriterien ab.

Die Entscheidungs-Matrix

KriteriumWeiterbetrieb attraktivRepowering attraktiv
Anlagen-Zustandgut, wenig VerschleißVerschleiß, häufige Stillstände
Standortqualitätakzeptabel für Bestandfür moderne Anlage deutlich besser
Restpacht-/Vertragslaufzeitläuft mit Anlage ausverlängerbar mit Eigentümern
Mindestabstand neue Anlageneinhaltbar mit größerer Anlage
Lokale AkzeptanzKonflikt-NiveauAkzeptanz besser bei weniger, moderneren Anlagen
Strom-Vermarktung Post-EEGPPA möglichEEG-Marktprämie 20 Jahre
Investitions-Bereitschaftgering — nur Wartungvolle Neuinvestition tragbar

Option A — Weiterbetrieb

Nach EEG-Ende läuft die Anlage technisch weiter, vermarktet wird sie:

  • Sonstige Direktvermarktung: am Spotmarkt zum jeweiligen Stundenpreis
  • PPA: Direktvertrag mit Industriekunde, oft 5-7 Jahre Laufzeit
  • Eigenversorgung: Strom-Lieferung an Standort-Verbraucher (Industrie, Gewerbe)

Realität 2026: Strommarkt-Preise schwanken stark, Durchschnitt 40–80 €/MWh. Onshore-Wind-Anlagen erreichen mit OPEX-Stand ihre Wirtschaftlichkeitsschwelle bei ca. 30–45 €/MWh — also profitabel weiterbetreibbar.

Weiterbetriebs-Risiken

  • Steigende Wartungskosten: nach 20+ Jahren häufiger Verschleißteil-Wechsel, höherer Bauteil-Ausfall, schwierigere Ersatzteil-Versorgung (besonders Steuerelektronik)
  • Längere Ausfallzeiten: Hersteller-Support endet typisch nach 20 Jahren, Reparaturen müssen oft selbst organisiert werden
  • Versicherung: Maschinenbruch-Versicherung wird ab 20 J teurer und Selbstbehalt höher
  • Genehmigungsauflagen: BImSchG-Auflagen wie BNK-Nachrüstung greifen auch im Altbestand
  • Standortbindung: laufende Pacht muss verlängert werden, oft mit höheren Forderungen

Option B — Repowering

  • Volle Neuinvestition: typisch 1.000–1.500 €/kW
  • Komplettes neues BImSchG-Verfahren mit allen Gutachten
  • EEG-Ausschreibung: 20 Jahre Marktprämie zum Zuschlagswert
  • Deutlich höherer Ertrag: typisch 2–3-facher Jahresertrag
  • Verfahrens-Erleichterungen: WaLG (2022) hat 1:1-Repowering vereinfacht

Wirtschaftlichkeits-Beispiel

Park mit 8 × 1,5 MW (in Betrieb seit 2002, EEG-Ende 2022):

Weiterbetrieb 5 JRepowering 3 × 6 MW
Investition0,5 Mio. €
(Großwartung, BNK)
25 Mio. €
Jahresertrag22 GWh/a54 GWh/a
Strompreis-Erlös50 €/MWh (PPA)72 €/MWh (EEG)
Jahresumsatz1,1 Mio. €3,9 Mio. €
OPEX0,8 Mio. €/a0,9 Mio. €/a
Cashflow vor Steuern0,3 Mio. €/a × 5 J3,0 Mio. €/a × 20 J
Gesamtertrag1,5 Mio. €60 Mio. € (vor Diskont.)

Vereinfachte Rechnung ohne Diskontierung, ohne Steuern. Die exakte Wirtschaftlichkeitsrechnung erfolgt im DCF-Modell — siehe Wirtschaftlichkeit.

Faustregel: Wenn der Standort für eine moderne Anlage windhöffig genug ist (≥ 6,5 m/s in Nabenhöhe 150 m) und der Mindestabstand zur Wohnbebauung gehalten werden kann, ist Repowering fast immer wirtschaftlicher als langer Weiterbetrieb. Bei knapper Standortqualität lohnt der Weiterbetrieb als Übergangs-Lösung.

Hybrid-Strategie

In vielen Projekten sinnvoll: Weiterbetrieb 2–4 Jahre, parallel Repowering-Genehmigung erarbeiten. Wenn die BImSchG-Genehmigung da ist und der Ausschreibungs-Zuschlag erreicht wurde: Altanlage demontieren, neue bauen. So entstehen keine Wartezeiten ohne Strom-Erlös.

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Häufige Fragen

Wie lange läuft eine Anlage über die EEG-Förderung hinaus technisch?

Hersteller-Garantie 20 Jahre, technisch realistisch 25–30 Jahre bei guter Wartung. Bei älteren Anlagen aus den 1990er-Jahren sind 25 Jahre der Standard, danach steigen die Wartungskosten progressiv.

Können wir den Repowering-Standort einfach selbst behalten?

Ja, sofern eigene Flächen oder verlängerbare Pacht. Bei mehreren Eigentümern oft Verhandlungsbedarf, weil moderne Anlagen größere Fundamente und Kran-Stellflächen brauchen.

Was passiert mit dem Anlagen-Restwert beim Repowering?

Recycling-Erlös abzgl. Demontagekosten ist meist marginal — typisch 0–50.000 € pro Anlage netto. Bei Rotorblättern und Generatoren teilweise sogar Zuzahlung nötig.

Können wir das Repowering ohne EEG machen?

Ja — über PPA mit Industrie-Abnehmer oder Eigenversorgung. Wirtschaftlich aktuell nur an Top-Standorten und mit langfristigem PPA (10+ Jahre).